Atsara: Poesie der Physik

Das Kollektiv „Atsara” besteht aus der Künstlerin Audrey Rocher und dem Künstler Roland Devocelle. Ihre Arbeit widmet sich physikalischen Strukturen und Prinzipien als ästhetische Phänomene und poetische Bereiche. Sie werden aus Agen in Südfrankreich nach Hildesheim reisen, um eine ortsspezifische Version der Installation „[M]ondes“ am Aussichtspunkt hinter dem „Berghölzchen“ zu entwickeln. „[M]ondes“ ist eine Reihe künstlerischer Arbeiten, die sich auf das Zusammenspiel der Wörter „monde“ (dt. „Welt“) und „onde“ (dt. Welle) beziehen. Der metaphorische Titel bezieht Licht und Schall als parallele Frequenzen mit ein. In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung strebt Atsara danach, die auditive und die visuelle Erfahrung zu verflechten. „Wir arbeiten im Feld der plastischen Kunst, der Soundkunst und Körperkunst, wir bewegen uns von einer künstlerischen Disziplin zur nächsten, unsere Arbeit erweitert, kombiniert, provoziert, inspiriert, generiert Resonanz und reagiert auf sie. Sound- und visuelle Kunst sind untrennbar für uns.“

Sie erarbeiten ortsspezifische Interventionen, die ein unendliches Spiel aus Licht, Form und Farbe in konstanter Transformation umfassen. Verwurzelt in den Bereichen Theater, Tanz und Musik basieren ihre Kompositionen auf Bewegung und Veränderung. Beide sind ursprünglich Performer*innen, sie beherrschen die Kunst der Improvisation mit Musik, Sound, Bewegungen und Gesten. „Wir haben im Rahmen von Soundperformances angefangen, mit Licht zu arbeiten. Wir haben Konzerte gespielt, bei denen wir Musik zu Objekten und Materialien improvisiert haben, die sich auf der Bühne bewegt haben, während das Publikum drum herum saß. Wir wollten nur sehr wenig Licht und haben nur einen Lichtstrahl benutzt, der den Raum durchkreuzt hat. Als die Materialien, die wir benutzt haben, zum Beispiel Plastik- oder Metallteile, vom Lichtstrahl getroffen wurden, haben einige davon sehr interessante Lichteffekte produziert. Unter unseren Schallobjekten war auch eine Art Ball aus gezwirbeltem Draht. Als der Lichtstrahl diesen Ball traf, hat der visuelle Effekt uns verblüfft. Mittlerweile entwickeln wir schon eine ganze Zeit lang diese Effekte als Performances oder Kunstinstallationen. Wir haben mit verschiedenen Materialien experimentiert und andere Wege gefunden, Lichtstrahlen zu nutzen, wobei wir uns immer auf Interaktivität fokussieren. Meistens werden unsere Werke mit Geräuschkulissen ausgestellt. Außerdem spielen wir auch immer noch Musik und tanzen in unseren Installationen.“

Bewegung, Veränderung und Vergänglichkeit sind die Hauptthemen mit denen sie die Erscheinungen von Raum, analogen und digitalen Medien, wie auch das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Vorstellungskraft erkunden. Zyklen, Rhythmen und Schwingungen bewegen sich in konstanter Metamorphose von der Dunkelheit zum Licht, vom Material zur Erscheinung, von der Erfahrung zum bewussten Gedanken. Die Reihe „[M]ondes“ basiert auf grafischen Animationen von abstrakten geometrischen Formen, die von den dreidimensionalen Drahtgebilden verändert werden, auf die sie projiziert werden. Normalerweise finden diese Interventionen im öffentlichen Raum statt: „Das ist der Ort, an dem Leute, die einander nicht kennen, sich treffen und ein gemeinsames Erlebnis miteinander teilen können. Kunst im öffentlichen Raum ist ein Katalysator für diese gemeinsamen Erlebnisse.“

In Hildesheim werden sie an einem Standort im Stadtteil Moritzberg arbeiten, wo in der Nacht lediglich der Mondschein die Stadtlandschaft beleuchtet: „Für uns beide ist der Mond unsere Lieblingslichtquelle, auch wenn er keine Quelle sondern ein Reflektor ist… Wir hoffen, dass die Schönheit des Ortes inspirierend sein wird und uns helfen wird, die Kälte des Winters zu bewältigen. Wir freuen uns darauf, unseren Standort mit unseren eigenen Augen zu sehen, weil wir bisher nur Bilder und Maßbeschreibungen von ihm gesehen haben. Wir werden früh nach Hildesheim kommen, um genug Zeit zu haben, den Ort zu fühlen und zu verstehen, bevor wir anfangen werden, zu arbeiten.“ Sie werden eine Drahtskulptur zwischen den Bäumen bauen, die den Ausblick unterstützen soll. Wenn sie damit anfangen werden, ihre geometrischen Animationen zu projizieren, wird farbenfrohes Licht anfangen, auf den Drähten zu tanzen. „Wir erschaffen zarte Glühwürmchen aus Licht, poetische und sogar meditative Atmosphären, obwohl unser Hauptmaterial – vor allem gedrehter Draht – sehr roh und trivial scheint.“

[Interview mit Audrey Rocher und Roland Devocelle am 10. Januar, 2018. Zusammenfassung des Interviews: Syrine Siala und Bettina Pelz, Übersetzung: Bernadette Schnabel]