Katrin Bethge: Sehnsucht räumlich erfahrbar machen

Die Lichtkünstlerin Katrin Bethge wird mit ihren Projektionen die St. Godehard Kirche für die Dauer der Lichtungen atmosphärisch verwandeln. Ihre Overheadprojektionen legen sich als vergängliche Malerei auf die Oberflächen des Raumes. Unter Verwendung von lichtbrechenden Objekten, Flüssigkeiten und alltäglichen Materialien direkt auf der Arbeitsfläche des Projektors entstehen kosmische wie mikroskopische Räume aus Licht.
Im Interview spricht sie über die metaphorischen und räumlichen Bezüge ihrer Arbeit und findet Worte für etwas, dass sich dem rationalen Verstehen entzieht: einem unmittelbaren atmosphärischen Erleben.

Wie bist du zu dem Titel „ex oriente lux“ gekommen?
Aus der Beschäftigung mit der Basilika St. Godehard und mit der Zeit ihrer Entstehung.
Der Ausspruch bedeutet frei übersetzt aus dem Lateinischen: Aus dem Osten kommt das Licht.
Er bezieht sich natürlich zum einen auf den Sonnenaufgang, aber auch auf das Christentum, das von Europa aus betrachtet aus dem Osten, dem Orient kommt.
„Das ewige, himmlische Jerusalem“ war immer auch ein Sehnsuchtsort und Teil der Suche nach dem Paradies. (Zitat aus dem Text über die Leuchterkrone in der Basilika.)
Ich denke, das ist etwas, was uns alle verbindet: die Sehnsucht nach einer besseren Welt, was immer das sein mag, ob mit oder ohne Religion und egal welche.

Welche Materialien benutzt du? Und was bedeutet Materialität im Kontext deiner Installation?
Overheadprojektoren, Kathedralglasplatten, Glasteller, Farbfolien, Wasser in Bewegung.
Materialität bedeutet Präsenz und Gegenwärtigkeit für mich in meinen Installationen. Die Dinge auf der Projektionsfläche werden „durchleuchtet“ und lassen einen abstrakten (Schein)Raum entstehen. Durch die Projektion kann der Besucher in ein ganz anderes Verhältnis zum Raum treten, er wird Teil davon, auch mit seinen Schatten. Ein „Echtzeitfilm“ spielt sich durch seine Bewegung im Raum vor seinen Augen ab. So ist es eigentlich immer, aber das Licht kann das verstärken.

Was bedeutet die St. Godehard Kirche als Raum für deine Installation?
Als ich die St. Godehard Kirche das erste Mal betreten habe, war ich sehr beeindruckt und auch berührt.
Ich möchte versuchen, die erwähnte Sehnsucht und ihr verbindendes Element räumlich erfahrbar zu machen. Daraus entsteht für mich ein offener Assoziationsraum, in dessen Atmosphäre der Besucher eingeladen ist, einzutreten und seinen Gedanken nachzugehen. Denn das ist für mich der kirchliche Raum nach wie vor: ein Ort an dem man seinen eigenen Schritten schon beim Eintreten zuhören kann. Da ist etwas magisches in dieser Art zu Bauen und das möchte ich gern betonen.

Was wäre die schönste Rückmeldung, die du von Schauenden bekommen könntest?
Da lasse ich mich gern überraschen!

Interview mit Katrin Bethge vom 16.01.2018 geführt von Bernadette Schnabel