Kurt Laurenz Theinert: Interview

Mein Verständnis von Licht ist in der Fotografie verwurzelt – ich entwerfe fotografische Bildwerke und dabei sind alle Prozesse lichtbezogen. Mit ihnen habe ich das Sehen – seine Möglichkeiten und seine Grenzen – immer besser verstanden. Je tiefer mein Verständnis wuchs, desto mehr wollte ich diesen Prozess des Erscheinens und Verschwindens oder des „Geschehens“ mit anderen teilen, natürlich mit anderen Künstlern und mit Kuratoren, aber besonders gern auch mit einem aufmerksamen Publikum.

Die Installation „Himmelsleiter“ kann als ein Plädoyer für den Individualismus gelesen werden. Möglicherweise, schließlich folgt jedes Lichtelement seinem eigenen Gesetz und dennoch – oder genau genommen deswegen – entsteht ein lebendiges Ganzes.

Die Himmelsleiter ist eine weit verbreitete Metapher, sie ist ein Symbol für die Verbindung von Diesseits und Jenseits. Für meine Arbeit inspiriert sie mich, weil auch gute Kunst ein Fenster in eine transzendente Welt öffnet, so dass diese erlebbar ist, auch wenn wir sie nicht erklären können. Es gibt etwas wo weltliche oder rationale Maßstäbe nicht mehr greifen. Die Leiter symbolisiert dies, weil sie ins Nichts zu führen scheint und die unfassbaren Lichterscheinungen sie ins Immaterielle fortzuführen scheinen.

Technisch gesehen besteht die Installation aus Aluminiummasten, die ich wegen der Stabilität und dem geringen Gewicht benutze. Die Sprossen sind aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Das hat vor allem ästhetische Gründe. Es entsteht durch das Material ein sehr weich gestreutes Licht mit einer fast textilartig anmutenden Oberfläche der Lichtelemente.

In der Arbeit geht es um Überlagerungen von Rhythmen und das was dazwischen an Beziehung entsteht. Jede Sprosse hat einen eigenen gleichmäßigen Rhythmus. Diese sind aber von Sprosse zu Sprosse unterschiedlich in Geschwindigkeit und Dauer. Da alles was innerhalb von ca. 0,3 Sekunden passiert für unser Gehirn ein Ereignis ist nimmt es eher das Verhältnis dieser Rhythmen wahr als den Rhythmus selbst. Dadurch erscheinen die Auf- und Abbewegungen an der Leiter.

Meine künstlerische Forschung ist dem Zusammenspiel aller Komponenten gewidmet und die performativen Aspekte sind dafür sehr wichtig. Alles verändert sich ständig und dennoch betrachten wir Farbe als etwas Dauerhaftes und eine materielle Form als ewig, obwohl wir wissen, dass nichts für immer ist – einschließlich uns selbst. Ich konzentriere mich mehr auf Dynamik als auf Materialien und lerne mehr über Systeme als über Objekte. Und ich feiere diese Komplexität gerne.

Zusammenfassung der Interviews mit Kurt Laurenz Theinert am 3. September 2017: Bettina Pelz und am 15. Januar 2018: Bernadette Schnabel.