Martina Tritthart: „Mit den Schatten wird die sichtbare Welt erst zum eigentlichen Ganzen.“¹ Seminar Art Matters recherche

vorgestelltes Foto: Martina Tritthart

Welche Art von Arbeiten? Beschreibe eine ausgewählte Arbeit!
– Martina Tritthart arbeitet mit Rauminstallationen und Videokunst und schreibt darüber
hinaus wissenschaftliche und essayistische Texte.
– In ihrer Rauminstallation YellowBlueYou (Licht-Rauminstallation im Sternstudio,
Mayergasse 7, 1020 Wien 31.3.2017 – 29.4.2017 – http://www.spacelab.at/yellowblueyou2/)
etabliert die Künstlerin in zwei verschiedenen Räumen je eine Farbe (blau oder gelb), die
den Raum und damit die farbliche Wahrnehmung der Betrachter*innen dominiert. „Das
monochromatische gelbe Licht im ersten der beiden Räume ermöglicht ein gutes
Kontrastsehen aber außer der Farbe Gelb kein Farbensehen. In dieser gelben Helle befinden
sich Spiegel und ein raumteilender reflektierender Vorhang für die Selbstwahrnehmung und
die Verortung der Besucherinnen und Besucher. Der blaue Farblichtraum erinnert an ein
kinematografisches Erlebnis. Die im Raum umher wandernden Schatten stammen von den
Besuchern und Besucherinnen selbst. Sie kreuzen sich, überlagern die Videobilder live
aufgenommener Schattenbilder und verdichten sich zur Finsternis. Sie sind Bestandteil einer
sich ständig ändernden abstrakten Komposition, die zugleich das faktische Befinden im
Raum und die subjektive Befindlichkeit darin bewusst machen.“²

Mit welchen Themen beschäftigt sich die Künstlerin?
-Schatten, Licht, negativer Raum („Als negativer Raum wird in der Malerei und in der
Fotografie jener Bereich bezeichnet, der nicht das Zentrum der Aufmerksamkeit darstellt
und somit den Hintergrund oder auch die Grundfläche in der Figur-Grund-Beziehung
beschreibt. Im dreidimensionalen Raum verweist der Begriff negativer Raum nach Rudolf
Arnheim auf den Raum, der die Dinge umgibt, aber auch auf die Hohlräume in den
Objekten selbst“³)
-Das Verhältnis von Schatten und Licht. „Analog stellen auch Schatten einen negativen
Raum dar. Sie modellieren den beleuchteten Körper, setzen ihn in Szene und erleichtern die
Orientierung im Raum. Mit den Schatten wird die sichtbare Welt erst zum eigentlichen
Ganzen. Darüber hinaus können Schatten Raumstimmungen erzeugen, die das subjektive
Empfinden berühren.“⁴
– Farb-, Raum-, Selbst- und Fremdwahrnehmung
– Orientierung im Raum

Welche Rolle spielt Licht in den Arbeiten? Beschreibe eine ausgewählte Arbeit!
– „Der Stimmungsraum entfaltet sich zunehmend mit den Schatten, die das visuelle
Bild der Raumbegrenzungen schwächen und die Raumimagination verstärken.“⁵
– In der Lichtrauminstallation „Feuergeist am Bärenfriedhof“ im König
Artusdom/Dachstein Eishöhle nutzt die Künstlerin Lichtimpulse in unterschiedlichen
Frequenzen und Größen, um auf die „einzigartige Charakteristik“ der Höhle
aufmerksam zu machen. „Neben der gewaltigen Dimension des Raumes werden so
manche Details der Höhlen- und Felsstruktur in einem dynamischen Ablauf von
Licht und Schatten für die Besucher wahrnehmbar.“⁶

Welche Lichtquellen kommen zum Einsatz? Welche Eigenschaften haben diese?
– gelbe Lichtquellen, die den Raum gelb ausleuchten
– blaue Lichtquellen, die den Raum blau ausleuchten.

Welche optischen Phänomene werden angewendet?
– Schatten, Bewegung, Räumlichkeit, Farbsehen (Spiel mit dem Sehsinn)

Welche Rolle spielt die Wahrnehmung?
– Martina Trittharts Arbeiten haben häufig einen stark rezeptiven Bezug. Die subjektive
Wahrnehmung der Betrachter*innen ihrer Werke steht nicht nur im Fokus ihrer kunstimmanenten
Aussagen, sondern bekommt darüber hinaus eine
gestalterische/verändernde/erfahrbare Funktion.
– „Die Dominanz des Sehsinns wird bei zunehmender Dunkelheit von anderen Sinnen
abgelöst“ ⁷
– „Ist der Tagraum als Raum der Dinge und Distanzen zu verstehen, in dem auch der Mensch
ein Ding darstellt, so ist die Beziehung Mensch-Raum im Nachtraum eine intimere und
schließt die jeweilige Befindlichkeit des Menschen stärker mit ein.“⁸

Seit wann gibt es eine regelmäßige Ausstellungstätigkeit? Nenne drei bis fünf interessante Ausstellungsorte oder Institutionen!
– 2017, EVI-Lichtungen: Ortsspezifische kinetische Lichtinstallation in der St. AndreasKirche
– 2008, Feuergeist_Bärenfriedhof: Lichtinszenierung im Arthusdom (Eishöhle), Welterbe
Dachstein (mutual loop artist cooperation)
– 2004, Objekt für Euklid 2: Lichtinstallation im Rahmen der permanenten Ausstellung im
Museum der Wahrnehmung, Rohrbach OÖ (mutual loop artist cooperation)
– 2001, Akte Erzberg: Videoinstallation, Forum Stadtpark Graz
– 2000, Konzept, Planung und Ausführung des Ausstellungsteils Märchen & Mythenwelt
Schatz im Berg im Rahmen der Salzburger Landesausstellung Der Berg ruft! in Altenmarkt.
Laufzeit 2 Jahre (mutual loop artist cooperation)
– 1999, Fata Morgana: Medien-Rauminstallation im Moviementokino OKH Linz (mutual
loop artist cooperation)
– 1998, Interferenzen Theater: Raum Installation, Theater Drachengasse Wien;
– 1996, 100 Jahre Kino Wien: Objektausstellung Kärntnerstrasse, Magistrat Wien

Joscha Röhrkasse

Quellenangabe:
1 Tritthart, Martina: „Der negative Raum oder die andere Seite des Lichts. Maria Nordman und Nan
Hoover: Wahrnehmung Raum Kunst Architektur.“, in: Bruckmüller, Hannah u. a. (Hrsg.): All Over.
Magazin für Kunst und Ästhetik, Ausg. 5, Herbst, Wien 2013.
2 http://www.spacelab.at/kunst/
3 Ebd. S. 14.
4 Ebd. S. 14.
5 Ebd. S. 14.
6 http://www.spacelab.at/feuergeist/, eingesehen am 01.12.2017
7 Ebd. S. 14.
8 Ebd. S. 14 f.