Max Sudhues : Interview

INTERVIEW
J: Wieso hast Du bestätigt, für ein Festival nach Hildesheim zu kommen?
M: Weil ich tiefes Vertrauen in die Kurator_innen habe. Durch Erfahrungen bei vergangenen Festivals, die von Bettina Pelz kuratiert wurden (zusammen mit Tom Groll waren das Glow in Eindhoven und Lichtrouten in Lüdenscheid), weiß ich, dass ich große Freiheit und das Vertrauen genieße, meine eher zurückhaltenden und analogen Annäherungen ortsspezifischer Lichtkunst in der Architektur meiner Wahl zu entwickeln – so auch in Hildesheim. Während meines ersten Besuchs in Hildesheim erschien mir die Stadt offen und freundlich. Auch die Mitglieder des internationalen Teams kreieren eine Atmosphäre, die es mir leicht macht, mit Freude an dem Projekt teilzunehmen.
J: Inwiefern fühlst du dich du zu Kunst im öffentlichen Raum verbunden? Bzw. Fühlst du dich überhaupt damit verbunden?
M: Da ich bereits an mehreren Ausstellungen/Projekten, die auf Kunst im öffentlichen Raum fokussiert waren, teilnahm, fühle ich mich selbstverständlich damit verbunden. Im Allgemeinen verstehe ich Kunst in der Öffentlichkeit als eine Notwendigkeit, Menschen (öffentlich und manchmal unerwartet) mit ihrer Umgebung, Stadt, Landschaft, Gesellschaft oder Geschichte zu konfrontieren. Und sicherlich auch mit ihren Emotionen. Wie immer besteht auch hier die Gefahr des „Übernutzens“ oder „Missbrauchens“ einer Idee: Kunst im öffentlichen Raum kann schnell zu einer leicht verdaulichen Dekoration von Gebäuden oder Straßen werden, oder sogar zu einer Illustration politischer Ziele, versteckt unter dem Deckmäntelchen der sogenannten Kunstfreiheit.
J: Diese Frage ist eventuell etwas allumfassend, aber vielleicht können wir versuchen darüber zu diskutieren: Was verstehst du unter Öffentlichkeit
M: Öffentlichkeit beginnt mit einem Paar Augen, einem menschlichen Körper und seiner Seele – um in Interaktion mit und in Reaktion auf Gesellschaft, Architektur und Natur Gefühle und Gedanken zu entwickeln und auszudrücken.
J: Wie hast du dich mit Licht oder Sehen als Erfahrung auseinandergesetzt?
M: Das ist eine sehr direkte, gleichzeitig intime Erfahrung für mich. Es setzt sich unmittelbar in Verbindung zum Zuschauenden und formt oder transformiert eine räumliche Situation, mag das drinnen oder draußen sein. Ich sehe Licht oft als eine Möglichkeit, eine Art „Bühne“ zu bilden, die Menschen mit ihren Augen entern können. Das kann eine Erweiterung einer Wand oder Ecke, eines Gebäudes oder eines Fensters sein. Diese Transformation kann überall geschehen: in einem schimmeligen Keller, einem hochglanzpolierten Hochhaus, in einer Galerie, einem Museumsraum genauso wie im Atelier.
J: Was war die interessanteste/ berührendste/ schönste oder merkwürdigste Rückmeldung die du jemals (für deine Arbeit) bekommen hast?
M: Ich muss zugeben, dass einer der berührendsten Momente der letzten Zeit, andere über meine Arbeit reden zu hören, mit Hildesheim verbunden ist. Die Kuratorin Bettina Pelz stellte mich einer Gruppe Studierender als ein „Magician“ vor. Und wer wird nicht gerne Magier genannt. Wow…
J: Welche Lichtquelle wärst du gerne? Oder welcher Schatten?
M: Ich würde meine Antwort auf diese Frage gerne lieber mit tieferen Gefühlen als mit technischen Geräten verbinden:

Licht:
The Smiths: There’s A Light That Never Goes Out
Schatten:
Barbara Streisand: The Shadow Of Your Smile

Email Interview, 6. Januar 2018 in der Cyberspace Connection  Berlin – Hildesheim