Robert Sochacki : Interview

Non_Iron_Salon

Non_Iron_Salon

Tunis

Tunis

No_Iron_Salon

No_Iron_Salon

Student work

Student work

LED WORK "Cathedral"

LED WORK "Cathedral"

Illustrationen zu den Antworten im Interview | Fotos: Robert Sochacki

J: Wie wirst du in Hildesheim arbeiten?
R: In Hildesheim möchte ich gerne mit der Thematik des Mittelalters arbeiten. Als ich das letzte Mal in Hildesheim war, sah ich den Marktplatz und die schönen Gebäude und Fassaden mit polychromen Fenstern. Also beschloss ich, meine Arbeit für die EVI LICHTUNGEN in Ästhetik und Technik an den Stil des Mittelalters anzupassen. Auch geleitet von der Frage: Was können uns Gebäude erzählen? Das ähnelt ein bisschen meinen Animationen, denn früher wurden Gebäude als Hintergrund für Geschichten genutzt, Sie wurden zur Leinwand der Geschichten von den Bewohner_innen und für die Bewohner_innen. Die Malereien beinhalteten Bilder, die ganze Geschichten erzählten.
Ich musste bezüglich meiner Arbeit an ein Buch aus meiner Kindheit denken. Ein ausfaltbares Bilderbuch, das wie ein kleines Theater zweidimensionale Bilder in 3D entfaltet. Hildesheim kann auch so ein kleines Theater sein. Die Gebäude und Fassaden des Markplatzes um uns herum werden zu Leinwänden, die Geschichten erzählen. Ich erinnere mich vor Allem an die Geschichte der 1000jährigen Rose. Das ist meiner Meinung nach eine Geschichte über das Leben, von der Geburt bis zum Tod.
J: Was bedeutet es für dich im öffentlichen Raum auszustellen?
R: Ich finde das großartig, da man Zeit in einer speziellen Umgebung verbringt. Ich sehe mich hier als Gast. So sind für mich die Bewohner_innen der Stadt die Besitzer_innen und ich, bin ein Gast, der Geschichten erzählt. Das ist auch ein bisschen wie im Mittelalter, wenn Sänger_innen durch die Städte zogen und auf dem Marktplatz ihre Geschichten vortrugen….Ich hatte außerdem eine wunderbare Erfahrung während des SEEDJERBA Projektes in Houmt Souk: Ich saß auf einem Teppich, und benutzte diesen als Arbeitsfläche oder Schreibtisch und arbeitete im öffentlichen Raum. Auch während meiner Arbeit bei INTERFERENCE in Tunis ergab sich eine bemerkenswerte Interaktion zwischen der Öffentlichkeit und der Kunst. Menschen antworteten mit einem Graffiti auf meine Arbeit an den Wänden der Medina. Und schließlich war auch mein altes Studio der Non_Iron_Salon, mit seinem großen ehemaligen Ladenschaufenster so ein Ort, alles was ich konstruierte wurde durch das Fenster mit den Menschen draußen kommuniziert. Hier sind noch ein paar weitere Projekte bezüglich Kunst in der Öffentlichkeit.
J: Was war das komischste, schönste oder cleverste Feedback, das du je für deine Werke erhalten hast?
R: Als ich den Publikumspreis in Lüdenscheid 2013 erhielt. Die anderen beiden Preise wurden an Künstler vergeben die entweder eine große Lasershow konstruiert hatten oder eine interaktive (aufwendige) Installation vorgenommen hatten. Dennoch stimmte das Publikum für meine Arbeit mit einem technisch simpleren Ansatz.
J: An was wirst du zukünftig arbeiten?
Es wird weniger um Story-Telling als um abstrakte Arbeiten mit LED Licht gehen. Dabei kann man mehr mit dem Effekt von Licht an sich arbeiten. Bei der Benutzung von LED’s kann man besser mit der Luft im Raum, dem Raum an sich oder der Atmosphäre spielen. So sind also meine Animationen eher wie Malereien und die LED Arbeiten mehr eine Auseinandersetzung mit dem puren Licht als Medium für sich.
J: Was könnte dein Lieblingsschatten oder deine Lieblingsdunkelheit sein?
R: Ich hatte eine Studentin in meinem Kurs an der Akademie der Künste die eine Lichtinstallation erarbeitete. Sie benutzte den Schatten wie Licht. Sie fing also Schattenformen ein und verwandelte sie in Lichtformen.
J: Abschließend: Wieso kommst du nach Hildesheim?
R: Weißt du, manchmal fühle ich mich ein bisschen wie ein kleiner Junge… Ich sah den Markplatz und dachte, ok, das ist eine Herausforderung für mich!

Skype Interview, 12.01.2018 – Robert Sochacki, Jule Kriesel