EVI LICHTUNGEN Vokabelheft für die Komplizenschaft
Eine Sammlung von Begriffen zur Kunsterkundung

 

Zeichnung
Punkte, Linien und Konturen sind das bevorzugte Material von Künstler_innen, die zeichnen.

Malerei
Farben, Flächen und Formen sind das bevorzugte Material von Künstler_innen, die malen. Malerei ist meist zweidimensional

Fotografie
Im Zusammenspiel von Licht und chemischen Prozessen entstehen Bilder: Fotografie wird auch „Zeichnen mit Licht“ genannt.

Skulptur / Plastik / Objekt
Dreidimensionale Kunstwerke werden Skulptur oder Plastik genannt.

Plastik heißen Werke, für die Materialien aufgebaut werden, z.B. Ton.

Skulptur werden Werke genannt, die Material abtragen, z.B. Marmor oder Stein.

Mit Licht kann man sowohl plastisch wie auch skulptural arbeiten.

 

Installation

 

Die Installation ist in der Bildenden Kunst ein meist raumgreifendes, dreidimensionales Kunstwerk. Der im Hinblick auf die Kunst seit Ende der 1970er Jahre gebräuchliche Begriff wird inzwischen auch für frühere raumexpandierende Inszenierungen angewendet.

 

Intervention

 

Eine Intervention in der Bildenden Kunst ist ein Eingriff in bestehende Zusammenhänge in öffentlichen Räumen. Die Intervention verändert die Erscheinungsform des vorgefundenen Environments. Durch die Veränderung thematisiert oder kommentiert eine Intervention gesellschaftlich-soziale, kulturelle, funktionale, räumliche und materielle Aspekte des Veränderten.

 

Projektion

 

Projektion ist ein optisches Phänomen, in dem Licht einen visuellen Inhalt von einem Ort and einen anderen überträgt.

Ein Projektor (lat. proicere „vorwärtswerfen, hinwerfen“) ist ein optisches Gerät, mit dem eine zweidimensionale Vorlage auf einer Bildfläche abgebildet wird. Ein Projektor enthält außer einem Objektiv eine eigene Lichtquelle, deren Licht als Transportmittel eingesetzt wird.

 

Performance

 

Eine Performance thematisiert einen Prozess oder einen Verlauf. Anders als in einem statischen Kunstwerk, steht der Verlauf und die Veränderlichkeit im Vordergrund der ästhetischen Betrachtung.

 

Ort-spezifisch

 

Wenn Kunstwerke für einen konkreten Ort und dessen Eigenarten gemacht ist, werden sie als ort-spezifisch beschrieben.

 

Zeit-spezifisch

              

Wenn Kunstwerke an eine bestimmte Zeit gebunden sind sie zeit-spezifisch.

 

Kontext-spezifisch

 

Wenn die Künstler_innen sich auf einen ausgewählten Aspekt beziehen, der sich mit der Geschichte, der Funktion, der Nutzung o.ä. befasst, wird die Arbeit kontext-spezifisch genannt.

 

Op-Art

 

Kinetik

 

Projection-Mapping

 

 

Sehen und Kunst

 

Bildende Kunst ist untrennbar mit der Sphäre der Sichtbarkeit verbunden und ihr Medium ist das Licht. Der Künstler James Turrell beschreibt wie Wahrnehmung zum Material der Kunst wird: “I like to use light as a material, but my medium is actually perception. I want you to sense yourself sensing – to see yourself seeing.”   //  I mag Licht als Material, aber meine Medium ist die Wahrnehmung, ich möchte, dass Sie sich als Sehende_r erleben – dass Sie sich als Sehende_r sehen.

 

Sehen

 

Um sehen zu können, muss Licht von außen ungehindert durch das gesamte Auge bis zur Netzhaut gelangen und dort Nervenzellen erregen, die dann im Gehirn ein Bild erzeugen. Dazu verfügt das menschliche Auge über zwei Arten von Sinneszellen. Sechs Millionen Zapfen und 120 Millionen Stäbchen arbeiten zusammen und generieren das „Nachbild“ des Sichtbaren im Gehirn. Sie zeichnen sich durch eine unterschiedliche spektrale Empfindlichkeit aus. Stäbchen haben ihr Empfindlichkeitsmaximum im blaugrünen Licht bei etwa 500 Nanometer Wellenlänge, Zapfen dagegen im grüngelben Licht bei etwa 560 Nanometer. Schon bei geringer Lichteinwirkung werden die Stäbchen aktiv und der Mensch erkennt Formen, Umrisse und Grautöne. Die Zapfen liefern die Informationen über die Farben und erst ab einer bestimmten Helligkeit senden sie Impulse zum Gehirn und erst dann entsteht das Empfinden einer farbigen Welt. Außerdem ermöglichen die Zapfen das scharfe Sehen. In der Makula („Gelber Fleck“) befindet sich die größte Zapfendichte und es ist Stelle des schärfsten Sehens. Hier ist jede Sehzelle mit einer Nervenfaser verbunden und die Auflösung steigt drastisch an. Damit kann der Mensch kann etwa 150 Farbtöne aus dem Spektrum des sichtbaren Lichtes unterscheiden und zu einer halben Million Farbempfindungen kombinieren. Insgesamt liefert der Sehsinn etwa 80 Prozent aller Informationen aus der Umwelt, die im Gehirn verarbeitet werden.

 

Licht

 

Licht ist der für das Auge sichtbare Teil der elektromagnetischen Strahlung. Bei dem sichtbaren Licht handelt es sich Wellenlängen von etwa 380 nm bis 780 nm. Auch die an das sichtbare Licht angrenzenden elektromagnetischen Spektren Infrarot- („unterhalb von rot“) mit Wellenlängen zwischen 780 nm und 1 mm und Ultraviolettstrahlung („jenseits von violett“) mit Wellenlängen zwischen 10 nm und 380 nm werden auch als Licht bezeichnet, obwohl sie für das menschliche Auge unsichtbar sind.

 

Lichtquelle

 

z.B. natürliches Licht = Sonne

z.B. künstliches Licht = Glühlampe, Leuchtstofflampe, Neonlampe

 

Optik

 

Physikalische Phänomene wie Lichtbrechung, Lichtreflexion oder Lichtlenkung, die durch den Kontakt mit Licht mit einem anderen Material entstehen.

 

Trägermaterial

 

Das Material, auf das Licht fällt und das es sichtbar macht.

 

Licht

 

Als Medium der Sichtbarkeit ist Licht in den visuellen Künsten eingelagert – von den ersten Höhlenzeichnungen über Glas- und Transparenzarbeiten, Fotografie und Film als lichtzeichnerische Medien, Installation und Performance als Licht-, Raum- und Zeit-basierte Formate bis zu den digitalen, selbstleuchtenden Anzeigemedien des 21. Jahrhunderts.

 

Licht vermittelt zwischen der Materialität der Werke, dem Umgebungsraum und der wahrnehmenden Person und kartografiert das komplexe Beziehungsgefüge. So kann die die Vielzahl der lichtbasierten Arbeit in der Gegenwart als ein Impuls verstanden werden, um das Verständnis des Phänomens Licht zu vertiefen – in seiner technischen, wissenschaftlichen, historischen, kulturellen und künstlerischen Dimension. Ob als Lichtbilder oder mit Licht als bildformendem Medium – sie sind verbunden in einem Diskurs, der das Verständnis von Licht als Material und Medium als wesentlich für die Wissensbildung durch Lesen und Verstehen von Bildern betrachtet.

 

UNESCO Internationaler Tag des Lichts

 

Angeregt von den europäischen, physikalischen Gesellschaften hat die UNESCO dazu aufgerufen, die Schlüsselrolle des Lichts in Wissenschaft, Technik und Kunst mit einem „Internationalen Tag des Lichts“ zu würdigen. Anlass sind vielfältige Jahrestage, von 1015 und der ersten umfassenden Publikation zur Optik von Abu Ali al-Hasan ibn al-Haitham beginnen, über u.a. die Veröffentlichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein von 1915, bis 1965, als Arno Allan Penzias und Robert Woodrow Wilson die kosmische Hintergrundstrahlung als das älteste, messbare Licht entdeckten und parallel Charles Kuen Kao zusammen mit George Alfred Hockham, die Grundlagen für Datentransfer via Glasfaserkabel entwickelte. Heute befasst sich die Photonik mit der Erzeugung, Kontrolle, Messung und vor allem die Nutzung von Licht in nahezu allen gesellschaftlich und ökonomisch wichtigen Gebieten. Der Begriff „Photonik“ reflektiert dabei den Bezug zum Photon, dem Lichtteilchen, so wie der Begriff „Elektronik“ auf das Elektron verweist.  Mit Blick auf die außergewöhnlicher Eigenschaften des Lichts wie die Lichtgeschwindigkeit als die höchste messbare Geschwindigkeit, dem kürzesten Puls von bis zu einer Attosekunde, der Fokussierbarkeit bis in die Nano-Dimension und mit bis zu Petawatt sowie der ungestörten Überlagerungsfähigkeit von bis zu Millionen von Megabit pro Sekunde, kommt die UNESCO zu dem Schluss, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert des Lichts wird  und die lichttechnologische Entwicklungen in der Gegenwart der Motor von Veränderungen ist, die das 21. Jahrhundert prägen werden.

Licht in der Bildenden Kunst

 

Alle Arbeiten, die zu den EVI LICHTUNGEN gezeigt werden, zeichnen sich dadurch aus, dass sie Licht als Material, Medium oder Werkzeug einsetzen.

_ Material = Lichtphänomene _ z.B. Neonschriftzug

_ Medium = Licht als Trägermaterial _ z.B. Projektion

_ Werkzeug = Licht verursacht etwas, ist aber an sich nicht sichtbar _ z.B. Fotografie

 

Kunstformen

 

Die Lichtkunstarbeiten der Gegenwart nutzen Licht für Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation und Performance. Sie kartografieren das Zusammenspiel von Licht und Dunkel, Raum und Zeit, Material und Medien, Pigment und Farbe, Optik und Wahrnehmung neu, indem sie die Qualitäten von Licht und seine ästhetischen Implikationen ebenso wie den Sinn des Sehens reflektieren. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass Werk, Werkraum und Betrachter_innen in ein dynamisches Wechselspiel eintreten.

Lichtkunst

 

Vom einfachen Wechselspiel von Licht und Schatten bis hin zu einer Vielzahl optischer Eigenschaften, von der Fotografie bis hin zum Umgang mit großen Datenmengen umfasst eine Vielzahl künstlerischer Ansätze physikalisches Licht als Material, Medium oder Werkzeug. Von den frühesten Höhlenzeichnungen bis hin zu den digitalen Displays des 21. Jahrhunderts ist die künstlerische Erforschung des Zusammenspiels von Licht, Zeit und Raum, Form und Farbe eine allgegenwärtige Herausforderung für Künstler.

 

In den letzten fünfzehn Jahren fungiert der Begriff „Lichtkunst“ wie ein ergänzendes Label für künstlerische Positionen, die Tages- und technisches Licht integrieren, die mit Lumineszenz als bildnerischem oder plastischem Material arbeiten oder die, die auf Licht als Bildträger nutzen.

 

Seit wann gibt es Lichtkunst?

 

Mit der Ausstellung „Lichtkunst aus Kunstlicht“ 2005/2006 im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe hat sich der Begriff „Lichtkunst“ in den Kontexten der bildenden Kunst durchgesetzt. Der Begriff legt die Verwandtschaft zu Videokunst oder Medienkunst nahe, wie sie im 20. Jahrhundert geprägt wurden. Es sind Kunstformen, die eng mit der Entwicklung technischer Möglichkeiten verwoben sind und neue ästhetische Optionen generierte. In den 1950er Jahren wurden die künstlerischen Experimente mit neuen Technologien und Medien wie Fernsehen, Fax und Satellitentechniken als „Medienkunst“ bezeichnet und findet sich bis heute in vielen Beschreibungen der zeitgenössischen Kunst wie Foto- und Filmkunst oder Medien-, Computer und Netzkunst.

 

Seit wann gibt es Licht in der Bildenden Kunst?

 

Schon immer _ Licht ist von großer Bedeutung für die Kulturgeschichte der Menschheit.

 

Vor 42.000 Jahren _ Die ersten Höhlenzeichnungen wie sie z.B. in den Höhlen von Nerja, die von vor 30.000 Jahren bewohnt wurden, sind Licht- und Schattenbildern nachempfunden. …

 

Vor 3.500 Jahren _ Schon in den ersten Zeugnissen über die Glasherstellung von ca. 1.500 Jahren vor Christus spielte das Licht eine wichtige Rolle und Lichtphänomene waren wichtiger Teil von Glaskunstwerken. … Seit dem 5. Jahrhundert gibt es Belege für Transparentbilder, insbesondere für Glasmalerei. Bedeutende Werke entstanden vom Mittelalter an über die Renaissance, den Jugendstil, die Moderne bis hin zur zeitgenössischen Kunst. Ihnen gemeinsam ist die hohe Differenzierung in den Kontrasten sowie der Farbleuchtkraft. …

 

Vor 200 Jahren _ Ende des 18. Jahrhunderts wurden Diaphane populär. Die durchscheinenden Bildwerke wurden in dunklen Räumen mit Tageslicht hinterleuchtet oder mit Hilfe von verschiedenen Lichtquellen gezeigt. Die Wirkung des nicht gemalten, sondern des gestalteten Lichts integrierte Zeitlichkeit und Veränderlichkeit in das Bildgeschehen. Bildträger waren geöltes Papier, Pergamentpapier, geschabtes Leder, dünne Leinwände oder Seide, die bedruckt, koloriert oder mit Wasserfarben, verdünnten Ölfarben u.ä. bearbeitet wurden. Als Lichtquellen dienten Kerzen, Fackeln, Öl-, Petroleum- und Gaslampen. Es entwickelten sich einseitig und doppelseitig bearbeitete Bilder. Eines der bekannten Bespiele sind die Lichtbilder von Caspar David Friedrich. 1835 war Caspar David Friedrich war der erste, der die Schusterkugel als Gestirnprojektion benutze und sie mit transparenten Bildwerken kombinierte.

Vor 100 Jahren _ Mit der allgemeinen Verbreitung von künstlichem Licht Ende des 19. Jahrhunderts gab es auch viele Künstler_innen, die Leuchtstoff benutzten.

 

Licht und Stadt

 

Seit Beginn des 20. Jahrhundert hat die nächtliche Stadt als Erlebnisraum mit ihrem Wettstreit von Stadt-, Informations- und Werbelicht wie auch die Lichtspielkunst der Kinos viele Künstler_innen zu einer eigenständigen Auseinandersetzung und Überlegungen für eine zeitgemäße Ästhetik im Zeichen des Lichts angeregt. Seit der Einführung der Stadtbeleuchtung ging die Forderung nach „Mehr Licht!“ lange Zeit mit den modernen Ideen von Urbanität einher. Inzwischen ist es eher der reflektierte Einsatz von Licht, der Aufsehen erregt. Aus nur DIN-gerechten und funktionsorientiertem Straßenlicht sind vielerorts professionelle Lichtinszenierungen entstanden. Im Zuge dieses Sensibilisierungs- und Entwicklungsprozesses entstand auch eine Vielzahl von Projekten und Festivals, die dem Licht gewidmet sind.

 

Lichtmetapher

 

In sakralen Zusammenhängen wurde das Tageslicht als „Himmelslicht“ als eine Verbindung zum Göttlichen beschrieben und lichtaktive Werke zur Symbolisierung mythischer und sakraler Inhalte eingesetzt. Das Zusammenspiel von sich verändernden Lichtverhältnissen steht auch in profanen Zusammenhängen für ein dynamisches Bildverständnis.